Frauenstreiktag 2019

05.07.2019

Es war einmal, vor langer, langer Zeit oder Vom Frauenstreiktag zum eigenen Blog

 

Einige Tag vor dem Frauenstreiktag 2019 habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob ich an diesem Freitag mitstreiken will, oder nicht. Als ich mich damit befasste, merkte ich, dass es viele Gründe dafür, aber auch genauso viele dagegen gab.

 

Es fing schon damit an, dass ich am genannten Freitag meinen Bürotag für meine Einzelfirma Vivacitas hatte. Ist es denn eigentlich noch ein Streik, wenn ich für meine Einzelfirma arbeiten sollte, und an einen Streik gehe?

Denn im eigentlichen Sinne ist ja ein Streik eine Arbeitsniederlegung als letztes Mittel in Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Was mich zur Frage führte, ob dies nicht ein wenig schizophren wäre, wenn ich mich selber bestreiken würde. 

Aber Spass bei Seite, natürlich finde ich, dass die Gleichberechtigung noch lange nicht am Ziel ist. Und dass es sich lohnt, dafür einzustehen, um etwas zu verändern. Dafür öffentlich die Stimme zu erheben und so diesem Thema Nachdruck zu verleihen.

Was mich an dem Streik störte, war jedoch die Art und Weise der Kommunikation. Ich konnte mich weder mit den unseligen und teilweise unwürdigen Diskussionen darüber, ob nun Männer mitstreiken sollen, dürfen oder müssen identifizieren, noch damit, dass nun ‘die Politik endlich handeln soll’, und dass auf verschiedenen Programmen Aussagen wie ‘lasst uns unsere Wut zeigen’ oder Zeichen einer geballten Faust zu sehen waren. 

 

Wie auch immer, in jedem Fall bleibt es ein Thema, welches uns vermutlich noch länger beschäftigen wird, als uns lieb ist. Wie wäre es deshalb, einmal zu beleuchten, was denn die Männer von der Gleichstellung der Geschlechter hätten?

Gleichberechtigung – was ist denn dabei für Männer drin?

Es ist ein Fakt, dass Gleichberechtigung auch Männern Vorteile verschaffen würde. 

Ein Beispiel dafür: Ein Paar in meinem Bekanntenkreis teilt sich die Kindererziehung und Erwerbstätigkeit hälftig. Gerne würde der Mann in seinem Job mehr Verantwortung übernehmen. Er ergreift die Chance, als eine Stelle in der Teamleitung frei wird. Obwohl sein Arbeitgeber ihn gerne in dieser Position sehen würde, teilt er ihm mit, dass diese Stelle nur in einem Pensum von mindestens 80% möglich ist. 

Meiner Meinung nach würde mehr Gleichberechtigung auch die Teilzeitarbeit stärker etablieren – und Männern wie diesem die Chance bieten, in einem kleineren Pensum neben der Kindererziehung auch seine Karriere voranzutreiben!

Die Leier vom Rentenalter der Frau oder Militärdienst für alle

 

Natürlich, zur Gleichberechtigung der Frau kommt auch die des Mannes. Oder je nach dem eben, die gleichen Pflichten für die Frau. Dies zeigt sich bei obengenannten Themen. 

Ich war während mehreren Jahren in der freiwilligen Feuerwehr Zug tätig. Diese ist nach dem Miliz System geführt, und bedeutet eine grosse Investition der Freizeit. Ein Engagement, welches naturgemäss nicht immer planbar ist, da sich Brände blöderweise nicht an vorgegebene Zeitfenster halten. 

Somit würde ich behaupten, dass ich nicht nur fordere, sondern auch bereit bin, auf der anderen Seite mich zu einer Leistung zu verpflichten. Und ich denke, dass die meisten Frauen bereit sind, auch neue Pflichten zu übernehmen, wenn dies im Gegenzug eben auch mehr Rechte bedeuten würde. 

Natürlich bedeutet die Gleichstellung von Mann und Frau auch eine Anpassung bei den Pflichten. Gemäss dem Bundesamt für Statistik ist es jedoch ein Fakt, dass noch immer 61 % aller unbezahlter Arbeit von Frauen ausgeführt wird. Ist es denn nun wirklich an den Frauen, zuerst die Forderungen der Männer zu erfüllen, bevor umgesetzt wird, was bereits 1981 gesetzlich erlassen wurde?

Es war einmal, vor langer langer Zeit

 

So beginnen doch Märchen, oder? Wir schreiben das Jahr 1981, als die Gleichstellung von Frau und Mann gesetzlich verankert wurde. 

 

In der Schweiz ist die Gleichstellung der Geschlechter seit 1981 in der Bundesverfassung verankert. Der Gleichstellungsartikel verpflichtet den Gesetzgeber, für rechtliche und tatsächliche Gleichstellung zu sorgen, und enthält ein direkt durchsetzbares Individualrecht auf gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit.

2019, ein paaaaar Jährchen später, sind wir immer noch meilenweit davon weg, dass dieser in der Bundesverfassung (!!!) gesetzliche Gleichstellungsartikel Realität ist.

Nehmen wir z.B. das messbare Thema ‘Lohnungleichheit’. Wer ausrechnen möchte, was er/sie als Frau/Mann verdienen würde, dem sei ein Blick auf den offiziellen Lohnrechner des Bundes empfohlen. 

Und dies ist nur eine von vielen Ungerechtigkeiten. Auch bei weiteren Themen wie unter Anderem Pink Tax, gläserne Decke für Frauen, Karrierekiller Kind oder Rentenlücken bei Teilzeitarbeit sind wir weit weg ‘vo guet und bös’.

Was können wir als Frauen tun?

 

Verantwortung übernehmen  

Wir Frauen lernen erst seit einigen Jahren, uns gegenseitig zu ermutigen, statt zu kritisieren. 

Sich selber ‘ermächtigen’  - trägt das Wort, ‘Macht’ in sich. Ein Wort, welches noch immer für viele Frauen negativ behaftet empfunden wird. Und dies, obwohl ‘Macht’ im Grunde nicht mehr heisst, als dass wir die Möglichkeit haben, auf etwas Einfluss zu nehmen.

 

Macht und Verantwortung gehen im besten Fall einher. Doch wir müssen auch bereit sein, diese Verantwortung zu übernehmen. In dem wir uns eine Meinung bilden, und uns zeigen. Uns  äussern, wenn wir anderer Meinung sind. Und uns gegenseitig mehr ermutigen und supporten – statt zu konkurrenzieren. 

 

Verantwortung übergeben

Eine Hebamme erzählte mir von einem Vater, welcher sein Baby auf der Station wickeln wollte. Er hatte den Säugling auf der Station schon mehrfach selbst gewickelt. Der frischgebackene Vater sang dem Baby etwas vor und ging alles spielerisch an. 

‘Weisst Du, sagte mir die Hebamme, ‘mier hend nöd so vill Ziit zum so bäbele. ’ Und so kribbelte es ihr rasch in den Fingerspitzen, den Vater in seiner Aktion zu unterbrechen, um dies ‘rasch’ zu machen. Wie wir Frauen ja so vieles ‘rasch und nebenbei’ machen. Weil wir es uns gewohnt sind. Aber zurück zur Säuglingsstation. 

Die Hebamme erledigte in dieser Zeit andere Arbeiten, und konnte bald daraufhin Feierabend machen. Erst auf der Heimfahrt im Zug ist ihr aufgefallen, dass das Baby, im Gegensatz zu sonst, gar nicht geweint hatte beim Windeln wechseln. Und da bemerkte sie, dass sie den Vater vorschnell als ‘ungeschickter Papi der jetzt auch mal Windeln wechseln will’ abgetan hatte. Der Vater war nicht einfach langsam gewesen. Er hatte, im Gegensatz zu den emsigen Hebammen, welche eben mehr als ein Kind versorgen mussten, die Zeit gehabt, sich dem Tempo des Babys anzupassen, und auf seine Bedürfnisse einzugehen. 

Wenn Du Dich nun auf Deine Fähigkeiten besinnst, egal ob Mann oder Frau, werden Dir sicherlich auch ein paar Situationen in den Sinn kommen, wo Du Deinen Partner entmächtigst, weil er/sie eine Arbeit nicht wie Du ausführst. Weil weniger Routine vorhanden ist – oder aber einfach, weil die Herangehensweise eine komplett andere ist. 

 

Vorbild sein oder Wirken im eigenen Umfeld

Ich glaube, dass wir gemeinsam etwas bewirken können. Auch, in dem wir uns Vorbilder suchen, an welchen wir uns orientieren können. Was macht diese Frau so besonders toll, und was kann ich von ihr lernen? Aber auch, in dem wir Vorbilder sind. Für unsere Familie, Freunde und Kollegen. 

Es beginnt im Kleinen. Zum Beispiel im geschäftlichen Bereich. In dem wir auch unsere Kollegen auffordern, die Kaffeemaschine zu reinigen, statt es ‘rasch’ selber zu erledigen. Oder in dem wir als Frauen beginnen, den uns unterstellten Frauen den gleichen Lohn zu entrichten, wie den Männern. 

Fazit

Es gibt noch viel zu tun. Ich denke, es braucht weiterhin Forderungen und Diskussionen. Persönlich, beruflich und politisch. Vor allem brauchen wir jedoch Solidarität, gegenseitige Unterstützung und weiterhin ein Einstehen für das uns zustehende Recht auf Gleichstellung. 

Film-Tipp zum Thema für uns Frauen

 

Die göttliche Ordnung 

 Schweiz, 1971: Nora ist eine junge Hausfrau und Mutter, die mit ihrem Mann, den zwei Söhnen und dem missmutigen Schwiegervater in einem beschaulichen Dorf im Appenzell lebt. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er-Bewegung zu spüren. Die Dorf- und Familienordnung gerät jedoch gehörig ins Wanken, als Nora beginnt, sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen, über dessen Einführung die Männer abstimmen sollen. Von ihren politischen Ambitionen werden auch die anderen Frauen angesteckt und proben gemeinsam den Aufstand. Beherzt kämpfen die züchtigen Dorfdamen bald nicht nur für ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung, sondern auch gegen eine verstaubte Sexualmoral. Doch in der aufgeladenen Stimmung drohen Noras Familie und die ganze Gemeinschaft zu zerbrechen.

Und für alle Männer, welche bis hier gelesen haben, für Euch auch eine amüsante Buch-Empfehlung zum Ausgleich.

 

Gleichstellung von Mann und Frau 

Warum sollten Männer gegenüber Frauen benachteiligt sein? Dieser Ansicht war Ralph G. Zimmermann auch Zeit seines Lebens. Denn er war ein echter Frauenflüsterer & Frauenversteher. Bis er eines Tages aus dem moralischen Tiefschlaf geweckt wurde. Auslöser waren seine Erfahrungen mit Frauen aus Internet-Dating Plattformen. Im Laufe der Jahre lernte er über 500 Frauen persönlich kennen. In geballter Ladung bekam er zu spüren, was es bedeutet: "I have the pussy, so i make the rules!" Doch damit nicht genug. Ralph G. Zimmermann führte die nächsten Jahre hunderte Interviews mit Männern. Was sie wirklich fühlen, ehrlich denken, aber sicherlich nie gegenüber einer Frau zugeben würden. Das Resultat: 100 Gründe, warum Männer noch immer gegenüber Frauen benachteiligt sind.